Arten, Unterschiede und spannende Fakten zur alpinen Hauswurz-Verwandten

Die Gattung Jovibarba gehört zu den faszinierenden sukkulenten Gebirgspflanzen Europas. Auf den ersten Blick erinnern diese Pflanzen stark an Hauswurz (Sempervivum), tatsächlich sind sie jedoch eine eigene botanische Gattung mit besonderen Eigenschaften.

In diesem Beitrag erfährst du alles über Arten, Herkunft, Unterschiede zu Sempervivum und typische Merkmale der Fransenhauswurz.

Was ist Jovibarba?

Jovibarba ist eine kleine Gattung sukkulenter Pflanzen aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).
Die Pflanzen wachsen in kompakten Rosetten, ähnlich wie Hauswurz. Charakteristisch ist ihre Fähigkeit, dichte Polster zu bilden, da viele Arten ihre Kindel leicht abwerfen, die dann neue Pflanzen bilden.
Diese Strategie ermöglicht es den Pflanzen, auch auf extrem kargen Böden schnell neue Standorte zu besiedeln.

Typische Lebensräume sind felsige Gebirgslagen, steinige Trockenrasen, alpine Hänge und sandige Böden.
Viele Arten wachsen in Höhenlagen bis etwa 2000 Meter.

Historische Einordnung der Hauswurz

Bereits frühe Botaniker beschäftigten sich mit der Hauswurz.

Zu den ersten Beschreibungen zählen:

  • Johannes Thal (1542–1583) – erwähnte Hauswurz als „Aizoon seu Sempervivum maius“
  • Johannes Franke (1545–1617) – verwendete Begriffe wie „Sedum maius“
  • Christoph Knauth (1638–1694) – beschrieb Hauswurz ebenfalls, ohne klare Trennung der Arten.

Zu dieser Zeit wurde Sempervivum tectorum noch nicht klar von Sempervivum globiferum (Jovibarba) unterschieden.

Unterschied zwischen Jovibarba und Sempervivum

Obwohl beide Gattungen eng verwandt sind, gibt es deutliche Unterschiede.

Blüten
Jovibarba besitzt 6 (manchmal 7) glockenförmige Blütenblätter 
Sempervivum dagegen besitzt 8 bis 18 sternförmige Kronblätter. 

Rosettenstruktur
Jovibarba-Rosetten sind meist stärker geschlossen, kompakter und nach innen geneigt.

Chromosomenzahl
Untersuchungen von C. H. Uhl (1961) zeigten:

Jovibarba: konstant n = 19
Sempervivum: variabel n = 15 bis n = 21.

Diese Unterschiede sind einer der Gründe, warum Jovibarba heute meist als eigene Gattung betrachtet wird.

Kreuzungen zwischen Jovibarba und Sempervivum
Kreuzungen zwischen beiden Gattungen sind theoretisch möglich, aber selten stabil.

Beispielhafte Kreuzungen:

Jovibarba hirta × Sempervivum montanum
Jovibarba hirta × Sempervivum calcareum
Jovibarba sobolifera × Sempervivum marmoreum

Solche Hybriden sind jedoch meist wenig fruchtbar, bilden kaum Samen und können sich in der Natur selten dauerhaft etablieren.

Arten der Gattung Jovibarba

Die Gattung umfasst etwa fünf Arten mit mehreren Unterarten. 
Alle sind kleinrosettige Pflanzen, die häufig nur selten blühen.

Jovibarba hirta
Die Kurzhaar-Fransenhauswurz kommt in den Alpen von Italien bis Kroatien vor.

Merkmale:

  • kalkliebend
  • braune Blattspitzen möglich
  • Randbewimperung vorhanden.

Jovibarba arenaria
Die Sand-Fransenhauswurz wächst in den östlichen Alpen.

Merkmale:

  • kleine Rosetten (0,5–2 cm)
  • kugelige Rosettenform
  • kalkfliehend
  • bevorzugt silikathaltige, sandige Böden. 

Jovibarba allionii
Diese Art kommt in den Alpen von Frankreich bis Italien vor.

Merkmale:

  • 2–3 cm große Rosetten
  • gelblich-grüne Farbe
  • Blätter nach innen gebogen
  • bei starker Sonne rötliche Färbung. 

Jovibarba sobolifera
Auch bekannt als sprossende Fransenhauswurz.

Verbreitung:

  • Deutschland
  • Polen
  • Rumänien
  • Russland.

Besonderheiten:

  • wächst auch im Halbschatten
  • Tochterrosetten entstehen zwischen den Blättern
  • fleischige Blätter mit kantiger Spitze. 

Jovibarba heuffelii
Die Balkan-Fransenhauswurz stammt aus Ost-Europa.

Vorkommen:

  • Ungarn
  • ehemaliges Jugoslawien
  • Albanien
  • Griechenland
  • Rumänien.

Besonderheiten:

  • bildet keine Ausläufer
  • besitzt eine kräftige Pfahlwurzel
  • Vermehrung über Teilung der Rosetten oder Blattstecklinge. 

Varietäten:

  • var. glabra
  • var. heuffelii
  • var. patens
  • var. reginae-amaliae
  • var. stramineum. 

Besondere Varietäten und Fundorte
Einige seltene Varianten sind nur regional zu finden.

Beispiele:
Jovibarba globifera var. preissianna – Tatra-Gebirge
Jovibarba globifera var. lagarinianum – Val Lagarina. 

Solche lokalen Formen sind besonders interessant für Sammler und Züchter.

Pflege von Jovibarba im Garten

Jovibarba ist eine äußerst robuste Pflanze.

Standort
Ideal sind sonnige Plätze, steinige Böden, alpine Beete, Trockenmauern und Dachbegrünungen.

Substrat
Am besten eignet sich ein sehr mineralisches Substrat aus Sand, Kies, Lavagranulat und Splitt.

Winterhärte
Jovibarba ist vollständig winterhart und übersteht auch frostige Winter problemlos.

Viele Jovibarba-Arten vermehren sich durch sogenannte „abwerfende Kindel“.
Die kleinen Rosetten lösen sich bei Berührung und rollen den Hang hinunter, wo sie neue Pflanzen bilden. Dadurch entstehen mit der Zeit dichte Pflanzenpolster.

Jovibarba ist eine spannende Gattung alpiner Sukkulenten, die lange Zeit mit Sempervivum verwechselt wurde.
Durch Unterschiede in Blütenbau, Chromosomenzahl und Wachstum wird sie heute meist als eigenständige Gattung betrachtet.
Dank ihrer extremen Robustheit und der dekorativen Rosetten eignet sich Jovibarba hervorragend für:

  • Steingärten
  • Dachbegrünungen
  • alpine Pflanzungen
  • Sukkulenten-Sammlungen.

FAQ – Häufige Fragen zu Jovibarba

Ist Jovibarba das gleiche wie Sempervivum?
Nein. Beide gehören zwar zur gleichen Pflanzenfamilie, Jovibarba wird heute jedoch meist als eigene Gattung betrachtet.

Sind Jovibarba Pflanzen winterhart?
Ja. Die Pflanzen stammen aus alpinen Regionen und sind extrem frosthart.

Wie vermehrt sich Jovibarba?
Die meisten Arten bilden abwerfende Kindel, die neue Pflanzen bilden.

Wo wächst Jovibarba in der Natur?
Vor allem in Alpenregionen Europas, auf felsigen oder sandigen Böden.

Kann man Jovibarba im Garten kultivieren?
Ja. Die Pflanzen sind pflegeleicht und perfekt für Steingärten oder Trockenmauern geeignet.

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