Sempervivum, auch bekannt als Hauswurz, gehört zu den faszinierendsten alpinen Sukkulenten. Besonders spannend für Sammler und Züchter ist die enorme Vielfalt an Farben, Formen und Strukturen, die durch gezielte Kreuzungen entstehen können.
In diesem Beitrag erfährst du, wie Sempervivum-Hybriden gezüchtet werden, welche historischen Züchter die Entwicklung geprägt haben und wie du selbst mit der Aussaat und Kreuzung neuer Sorten beginnen kannst.
Geschichte der Sempervivum-Züchtung
Vor den 1930er Jahren existierten nur wenige Hybriden innerhalb der Gattung Sempervivum. Die meisten Züchtungen basierten auf natürlichen Arten wie:
- Sempervivum arachnoideum
- Sempervivum montanum
- Sempervivum grandiflorum
- Sempervivum wulfenii
- Sempervivum tectorum
Diese Arten bildeten die Grundlage für erste Kreuzungsversuche. Zwischen 1930 und 1939 wurden weitere Expeditionen bis in den Kaukasus und in die Türkei unternommen, wodurch zusätzliche Arten entdeckt wurden, die anschließend in der Züchtung eingesetzt werden konnten.
Ein bedeutender englischer Züchter dieser Zeit war Nicholas Moore, der aus diesen neuen genetischen Möglichkeiten außergewöhnliche Hybriden entwickelte.
Auch in Deutschland entstanden früh bedeutende Züchtungen. Zu den ersten bekannten Züchtern gehörten:
- Georg Arends
- Karl Foerster
Bereits 1927 bot Georg Arends die Kultivare „Alpha“ und „Beta“ an, Kreuzungen aus Sempervivum tectorum und Sempervivum arachnoideum.
Ein weiterer Meilenstein folgte 1936 mit der Sorte „Rubin“, die erstmals eine Rosette mit intensiv roter Farbe zeigte
Bedeutende Sempervivum-Züchter weltweit
Auch außerhalb der Alpenregion entwickelten sich leidenschaftliche Züchtergemeinschaften. Besonders in den USA entstanden zahlreiche neue Hybriden.
Zu den bekannten Züchtern zählen unter anderem:
- Helen E. Payne
- Edward Skrocki
- Gary Gossett
- David T. Ford
- Len A. Earl
- Dr. C. W. Nixon
Später kamen weitere bedeutende Züchter hinzu:
- Martin Haberer
- Gustaaf van der Steen
- Ben Zonneveld
- Kevin Vaughn
- Andre Smits
1974 wurde erstmals der „Award of Merit“ der Sempervivum Society vergeben. Ausgezeichnet wurden:
- Sempervivum El Toro (David Ford, England)
- Sempervivum Ohio Burgundy (Edward Skrocki, USA)
Heute existiert besonders im deutschsprachigen Raum eine sehr aktive Sammler- und Züchterszene mit über 100 leidenschaftlichen Sammlern. Jedes Jahr werden neue Sorten vorgestellt.Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.
Wie Sempervivum Hybriden entstehen
Neue Hauswurz-Sorten entstehen meist durch künstliche Fremdbestäubung.
Typische natürliche Hybriden sind zum Beispiel:
- arachnoideum × grandiflorum = S. × vaccarii
- arachnoideum × montanum = S. × barbulatum
- arachnoideum × tectorum = S. × fauconnettii
- montanum × tectorum = S. × schottii
- tectorum × wulfenii = S. × widderi
Auch Kreuzungen mit der verwandten Gattung Jovibarba wurden erfolgreich durchgeführt, zum Beispiel:
Jovibarba hirta × Sempervivum montanum.
Diese Kreuzungen eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für neue Farben und Formen.
Besonderheiten der Blütenbestäubung
Sempervivum besitzt zwittrige Blüten. Trotzdem kommt es selten zur Selbstbestäubung.
Der Grund:
Zuerst reifen die Staubblätter mit dem Pollen, während die Narbe noch nicht empfänglich ist. Dadurch wird eine Selbstbefruchtung verhindert und Fremdbestäubung gefördert.
Ein weiterer interessanter Punkt:
Bei Jovibarba fehlt der sogenannte Pollenkit, was Kreuzungen mit Sempervivum erleichtern kann.
Aussaat von Sempervivum Samen
Sempervivum gehört zu den Frostkeimern, weshalb eine Kältebehandlung der Samen die Keimrate deutlich verbessern kann.
Experimente mit verschiedenen Stratifizierungsbedingungen zeigten:
- unbehandelte Samen keimen deutlich schlechter
- Stratifizierung über mehrere Wochen verbessert die Keimrate erheblich
Die besten Ergebnisse wurden erzielt, wenn Samen 11 bis 22 Tage bei etwa 1 °C im Kühlschrank stratifiziert wurden.
Anleitung zur Aussaat
Die Aussaat kann im Gewächshaus oder im Freien erfolgen.
Der beste Zeitpunkt ist im Frühjahr, sobald die Temperaturen steigen.
Substrat
Eine bewährte Mischung besteht aus 50 % Torf und 50 % gewaschenem Quarzsand.
Diese Mischung:
- speichert ausreichend Feuchtigkeit
- verhindert Staunässe
- reduziert Pilzbefall.
Aussaat
Sempervivum sind Lichtkeimer.
Die Samen werden daher nur leicht auf das Substrat gedrückt, höchstens mit einer sehr dünnen Sandschicht bedeckt.
Optimale Keimbedingungen
Die ideale Keimtemperatur liegt bei 15 bis 22 °C. Während der Keimphase sollte das Saatgut vor Austrocknung geschützt werden, regelmäßig besprüht werden und ausreichend Frischluft erhalten.
Eine Abdeckung mit Glas oder Vlies kann helfen, die Feuchtigkeit zu halten.
Pflege junger Sämlinge
Frisch gekeimte Sämlinge sind empfindlich.
Wichtige Punkte:
- niemals austrocknen lassen
- aber auch keine dauerhafte Nässe
- gute Belüftung gegen Pilzbefall
- viel Licht, aber keine pralle Sonne.
In den ersten vier Wochen benötigen die Pflanzen keinen Dünger.
Einige Züchter verwenden zusätzlich Schachtelhalm-Brühe oder Baldrian-Brühe.
Diese können Pilzbefall vorbeugen und das Wachstum fördern.
Substrat und Pflege ausgewachsener Pflanzen
Erwachsene Sempervivum profitieren von einer mineralischen Deckschicht aus:
- Kalksplitt
- Lavakies
- Zierkies.
Diese Schicht stabilisiert den Wasserhaushalt, reduziert Moosbildung, verhindert Unkrautwachstum und schützt den Wurzelhals vor Fäulnis.
Sempervivum "My Milia"
Ein interessantes Beispiel aus der modernen Züchtung ist Sempervivum „My Milia“.
Diese Sorte wurde 2015 von Georg Merkl gezüchtet und ist ein Sämling der Sorte „Oregon Sky“.
Besonderheiten der Sorte:
- mittelstarker Wuchs
- äußere Blätter dunkelgrün
- inneres Rosettenzentrum hellgrün
- im Herbst und Winter mit bläulicher Rosettenfärbung
Diese Eigenschaft wird stärker ausgeprägt als bei der Mutterpflanze.
Die Sorte kann ganzjährig ohne Winterschutz im Garten kultiviert werden.
Die Züchtung von Sempervivum ist ein spannendes Feld für Pflanzenliebhaber und Sammler. Durch gezielte Kreuzungen lassen sich unzählige neue Farb- und Formvarianten erzeugen.
Mit etwas Geduld, einer guten Aussaattechnik und einem Auge für interessante Sämlinge kann praktisch jeder Hobbygärtner seine eigene Hauswurz-Sorte entwickeln.
FAQ – Häufige Fragen zur Sempervivum Züchtung
Wie lange dauert es, bis ein Sempervivum Sämling seine endgültige Form zeigt?
Meist zwei Jahre oder länger, bis die endgültigen Merkmale sichtbar werden.
Müssen Sempervivum Samen stratifiziert werden?
Nicht zwingend, aber eine Kältebehandlung verbessert die Keimrate deutlich.
Sind Sempervivum Lichtkeimer?
Ja. Die Samen sollten nur leicht auf das Substrat gedrückt werden.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat?
Im Frühjahr, sobald die Temperaturen steigen.
Sind Sempervivum winterhart?
Ja. Die meisten Arten sind extrem frosthart und können ganzjährig im Freiland wachsen.
