Sempervivum (Hauswurz) – Herkunft, Geschichte, Pflege und faszinierende Fakten
Die Dachwurz begleitet die Menschheit seit über 2400 Jahren. Der botanische Name Sempervivum kommt aus dem HochMittelalter und bedeutet übersetzt immerlebend. Die ersten Erwähnungen dieser Pflanze in der Antike zeigen, dass der Saft dieser Pflanze den Samen anderer Kulturpflanzen vor Tierfraß schützen sollte. Der damit behandelte Samen sollte langlebiger gemacht werden. Immerlebend weist aber auch auf die Robustheit dieser mehrjährigen Pflanze hin, obwohl jede Rosette nach dem Blühen abstirbt und vertrocknet.
Die Pflanze besitzt zahlreiche Namen, die seinen Mythos in sich tragen. Ich möchte hier nur einige Namennennen:
- Hauswurzn
- Steinrose
- Dachwurz
- Hauslauch
- großes Sedum
In England:
Houseleeks oder Hens and Chicken, Housleke, Houselike, Houselyke, Houseleeke, Housleek, Singrene, Sengrene, Sengreene, Aygrene, Jupiters Beard, Jupiters Eye, Bullocks Eye,
In Schweden:
Huslög
In Frankreich:
Joubarbe
In Italien:
Semprevivo Maggiore,
Uralt ist der Glaube der Hauswurz an die abwehrende Kraft vor Blitzeinschlag, deren Beziehung zum Gewittergott Donar, was Namen wie Donnerkrut im Bereich Lüneburger Heide oder Donnerstock im Bereich Oldenburg verraten.
Ihr botanischer Name, nämlich Sempervivum tectorum, setzt sich aus drei lateinischen Wörtern zusammen. Übersetzt man „semper“ mit „immer“, “ vivere“ mit „leben“ und „tectus“ mit „Dach“, so kommt man zu der Aussage:
„Pflanze, die immer lebt und auf den Dächern wächst“.
Karl der Große
Karl der Große (Carolus Magnus) wurde 742 in Neustrien geboren. Karl der Große war fränkischer König und Kaiser des Westreichs. 795 erließ er (möglicherweise war es auch sein Sohn Ludwig der Fromme) die Kapitularengesetze. Dies war eine Liste mit 72 Pflanzen, die in den königlichen Gärten angepflanzt werden sollten. Karl der Große starb 814 in Aachen.
Jahrhunderte wurden somit in der Karolingischen Landgüterverordnung „Capitulare de villis vel curtis imperii“ den Verwaltern angewiesen, gewisse Pflanzen zu pflegen: „Et ille hortulanus habeat super domum suam Jovis barbam.“ Auf dem Dach eines Hauses habe jeder Gärtner die Dachwurz. So steht es in Kapitel 70, am Ende der aufgeführten Heilkräuter.
LXX.
Die Dachwurz ist eine klassische Heil-, Hexen- und Zauberpflanze
Ob Priester, Nonnen oder Mönche, ob Ärzte oder Heiler, ob Hexen oder Scharlatane, ob Zauberer oder Alchemisten, in irgendeiner Form haben sich alle schon mit der Hauswurz beschäftigt. Schon im 4. Jahrhundert vor Chr. berichtet der griechische Botaniker Theophrastus von ihrer Anwesenheit. Bei den Römern wurde sie dem Gott Jupiter gewidmet und zu späterer Zeit auch dem Gott Donar. Dadurch lassen sich auch die deutschen Namen Jupiterbart, Donnerbart, Donnerlauch, Donnerkraut, Wetterwurz und Donnerwurz ableiten.
Volumus quod in horto omnes herbas habeant, id est lilium, rosas, fenigrecum, costum, salviam, rutam, abrotanum,cucumeres, pepones, cucurbitas, fasiolum, ciminum, ros marinum, careium, cicerum
italicum, squillam, gladiolum, dragantea, anesum, coloquentidas, solsequiam, ameum, silum, lactucas, git, eruca alba, nasturtium, parduna, puledium, olisatum, petresilinum, apium, levisticum, savinam, anetum, fenicolum, intubas, diptamnum, sinape, satureiam, sisimbrium, mentam, mentastrum, tanazitam, neptam, febrefugiam, papaver, betas, vulgigina, mismalvas, id est altaea, malvas, carvitas, pastenacas, adripias, blidas, ravacaulos, caulos, uniones, britlas, porros, radices, ascalonicas, cepas, alia, warentiam, cardones, fabas maiores, pisos mauriscos, coriandrum, cerfolium, lacteridas, sclareiam. Et ille hortulanus habeat super domum suam Iovis barbam.
Zu den verordneten Pflanzen gehörte somit auch die Hauswurz. Auf diese Weise wurde die Pflanze in ganz Europa verbreitet. Man fand die bunten Rosetten vor allem auf Dächern und Dachrinnen. Die Hauswurz hatte nämlich ursprünglich den Zweck lose Ziegeln und Strohdächer zusammen zu halten oder die Lehmdecke vor Auswäschung zu schützen.
Von Bäuerinnen wurden die Pflanzen als Wegbegrenzung am Zaun entlang oder auf Steinsäulen gepflanzt.
„Wer edle Hauswurz hält in Ehren, der kann wohl manchem Übel wehren“,
aus Alräunchens Kräuterbuch von 1882
Naturformen
Sempervivum ist eine genügsame, sehr robuste, widerstandsfähige Gattung und besitzt die Fähigkeit lange Trockenperioden zu überdauern. In der Natur kommt die Hauswurz mit ihren verschiedenen Arten in den Gebirgslagen Europas vor. Hier wächst sie äußerst genügsam auf steinigen Böden. Es sind über 50 Arten bekannt. Die meisten Arten sind untereinander leicht kreuzbar. Sie stammen aus dem europäischen Gebirge. Das Verbreitungsgebiet der Arten erstreckt sich von den Pyrenäen über die Alpen bis in den Kaukasus und darüber hinaus.
Sempervivum atlanticum ist im Atlasgebirge in Nordafrika beheimatet. Wegen seiner Herkunft benötigt diese Art jedoch etwas Winterschutz.
Sempervivum arachnoideum findet man in den Alpen bis zu den Pyrenäen aber auch auf Korsika und ist die kleinste und zierlichste Art aus der Gattung Sempervivum, wie auch die variabelste. Diese Art zeichnet sich durch die spinnwebartige weiße Haare aus und ist in der Regel kalkfliehend. Die Behaarung ist mit ihrem Silberglanz im Sommer am intensivsten ausgeprägt.
Die Haare dienen als Sonnenschutz und schützen vor Verdunstung. Im Winter sind diese Haare dann weniger vorhanden oder verschwinden gänzlich.
Besonders schön sind die Züchtungen Angels´s Face, Blütenwolke und Woodpecker. Die Blütenfarbe zeigt sich in den Sommermonaten Juni bis Juli in ein kräftiges Rot oder seltener in ein reines Weiss.
Sempervivum annae findet man im Kaukasus. Die Ausläufer können bis 20 cm lang werden.
Sempervivum armenum findet man in Armenien wie auch in der Türkei. Die Art ist nicht einfach in der Kultur und benötigt bei viel Regen einen Winterschutz.
Sempervivum braunii kommt in den Alpen, auf dem Grossglockner auf einer Höhe von 2500m vor.
Sempervivum calcareum stammt von den Seealpen. Die blühfaulen Rosetten sind mehrfarbig und zeigen eine braunrote
Blattspitze. Die Blätter der Rosetten sind dicht aneinandergereiht. Die hellrosa farbenen Blüten treten nur selten in Erscheinung.
Sempervivum cantabricum findet man in den Kantabrischen Bergen in Spanien. Die Rosetten haben bis 40 Blätter und die Spitzen sind dunkelpurpur. Die Tochterrosetten sitzen an langen, behaarten Stolonen.
Sempervivum caucasicum findet man in Höhenlagen ab 1300 m von Georgien bis Asserbeidschan. Die Art liebt sandigen bis kalkhaltigen Boden und hat kräftig dicke Stolonen.
Sempervivum ciliosum stammt aus dem Balkan und hat dicht bewimperte kugelige Rosetten mit gelben Blüten im Juni.
Die Stolonen sind etwas belaubt. Die Blätter sind auffallend überlappt.
Sempervivum grandiflorum findet man auf höhergelegenen Weideflächen vorwiegend in der Schweizer-Italienischer Grenzregion. Die Pflanze ähnelt Sempervivum tectorum in Form und Größe. Sie hat die größten Blüten in der Gattung. Die Blütenfarbe ist gelb. Die Blätter sind sehr lang und haben dunkelrote Spitzen. Die Rosetten haben einen harzigen Geruch und die langen Stolonen sind beblättert. Die Art ist wüchsig, aber kalkfliehend.
Sempervivum ingwerwenii findet man im Kaukasus. Sie bildet viele Tochterrosetten. Ist jedoch ein fauler Blüher.
Sempervivum iranicum findet man im Iran im Elbursgebirge und muss vor der Winterkälte geschützt werden. In der Sierra Nevada Spaniens findet man in den Silikatfelsen und in den Geröllfeldern die Hauswurz Sempervivum nevadense.
Sempervivum ruthenicum fühlt sich sogar am Waldrand unter Kiefern wohl.
Sempervivum kindingeri ist von der Erscheinung her ähnlich Sempervivum pittonii und Sempervivum leucanthum, jedoch im Winter gegenüber Nässe etwas mehr empfindlich. Insgesamt ist aber Sempervivum leucanthum viel kleiner, hat aber dieselben gelben Blüten. Sempervivum leucanthum hat dagegen viel mehr Blätter.
Sempervivum kosaninii findet man in Makedonien auf Kalkstein. Die Kindel bilden sich an langen belaubten Stolonen.
Sempervivum leucanthum findet man im Rila Gebirge in Bulgarien. Die Rosetten haben bis 80 Blätter und sind nach innen gebogen. Die Art bildet wenig Tochterrosetten.
Sempervivum pittonii, auch Serpentin-Hauswurz genannt, ist eine endemische Art und kommt nur an zwei Bergen an den Steilhängen und in den Wänden auf Gulsen bei Kraubarth an der Murr im österreichischen Bundesland Steiermark vor. Die Pflanze hat im gesamten mitteleuropäischen Raum keinen näheren Verwandten und gedeiht hier auf serpentinischem Boden. Die nächsten Verwandten sind Sempervivum leucanthum, die ein kleines Areal in Bulgarien besiedeln.
Sempevivum marmoreum findet man in Osteuropa, von der Slovakei bis nach Bulgarien. Es gibt viele Standorttypen und Unterarten mit auffallend intensiver Blattfärbung von braunen bis roten Rosetten. Manche zeigen durch die sehr dicht stehenden drüsigen Haare ein samtartiges Aussehen. Viele unserer Hybriden sind durch die Einkreuzung dieser Art entstanden.
Unterarten:
- Sempervivum ballsii,
- Sempervivum erythraeum,
- Sempervivum regina-amaliae
Sempervivum montanum findet man von den Pyrenäen über die Alpen bis in die Karpaten, aber auch in Apennin und auf Korsika. Die Art ist kalkfliehend. Die Kindeln entwickeln sich an schlanken belaubten und behaarten Ausläufern. Die Blätter entwickeln wie auch Sempervivum grandiflorum bzw. Sempervivum davisii einen kräftigen Harzgeruch.
Unterarten:
- Sempervivum montanum subsp. burnatii
- Sempervivum montanum subsp. carpaticum
- Sempervivum montanum subsp. stiriacum
- sempervivum montanum subsp. minimum
Sempervivum tectorum, auch Dachwurz genannt, findet man in den Alpen, den Pyrenäen und im Norden des Balkans. Das sukkulente Blatt zeigt eine purpur bis bräunliche Spitze. Die Kindel sitzen an kräftigen Stolonen.
Sempervivum wulfenii findet man in den Alpen von der Schweiz über Österreich bis nach Slowenien. Die Blätter der Rosetten sind weniger zahlreich und unbehaart. Die Art wächst langsam, ist kalkfliehend und bildet kräftige Ausläufer und wenigen Tochterrosetten.
Sie blüht ab Juli bis August mit den Farben gelb bis trüb-gelb.
Eine Reise in die Vergangenheit der Hauswurz
Welcher Botaniker wurde mit seinen Namen bei den Sempervivum-Arten geehrt oder hat eine besondere Leistung erbracht?

Konrad von Megenberg (1309 - 1374)
stammte aus Mäbenberg in der Nähe von Nürnberg und verbrachte als ältester Sohn einer Familie des niederen Adels seine Kindheit in ländlicher Umgebung. In der Zeit bis zum Ende der Studienjahre verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Nachhilfestunden. 1342 wurde er Rektor an der Stephansschule in Wien und später Dompfarrer und Domherr zu Regensburg. Von nachhaltigster Wirkung war sein in deutscher Mundart in den Jahren 1349 -1350 verfasste Werk "Buch der Natur" oder besser das "Buoch von den natürleichen dingen". Konrad von Megenberg schrieb in der bayerischösterreichischen Mundart, die er sich in Wien angewöhnt hat. In seinen Buch im Kapitel V "VON DEN KRÄUTERN" auf Seite 387 äußert er sich über die magischen Kräfte der Hauswurz : „ ...Barba Jovis haizet hauswurz .... die maister/die sich fleizent zauberei/die sprechent daz ez den donr und daz himelplatzen verjag/und darumb pflanzet man ez auf den häusern ....“. Das Buch gehörte im 14. Jahrhundert zu den beliebtesten Büchern und war damals in fast jeder grösseren Bibliothek vorhanden. Sein Buch, noch von Hand geschrieben, war die erste Darstellung der Natur in deutscher Sprache. Das Verlagshaus Diebold Laubers war bei den späteren Auflagen (1440 - 1448) für die Bilder des Buches verantwortlich.Eine auf einer Leiter stehende Frau bepflanzt ein Hausdach mit Dachwurzn Titel: Von der huß wurtzen. Im Bestand der Universitätsbibliothek Heidelberg Cpg 300

Otto Brunfels ( 1488-1534)
war ein deutscher Mediziner und Botaniker. Er zählte zu den Vätern der Botanik. Brunfels studierte zunächst Theologie und Philosophie an der Universität Mainz und trat in das Kartäuserkloster Mainz ein, von wo er in die Kartause zu Königshofen bei Straßburg wechselte. Der Rechtsgelehrte Nikolaus Gerbel wies ihn auf die Heilkraft von Pflanzen hin, womit dann sein späterer Weg als Botaniker bestimmt wurde. Nach Übertritt zum Protestantismus, wurde er 1521 Pfarrer in Steinau an der Strasse und später in Neuenburg am Rhein. Nach dem Tod seines Freundes Ulrich von Hutten (1523) neigte er sich den Prinzipien einer altevangelischen Brüdergemeinde zu. Er studierte dann Medizin an der Universität Basel und erwarb 1530 den Doktorgrad. Das Bild links zeigt Otto Brunfels als Holzschnitt (Berlin Kupferstichkabinett). Bis zu seinem Lebensende blieb er dann Arzt in Bern. Otto Brunfels schrieb um 1532 sein Kräuterbuch "Contrafayt Kreüterbuch", wobei er hier die einheimischen Pflanzen in Holz schneiden und unter diese Abbildungen die deutschen Namen setzen liess. Hier wird ausführlich die Hauswurz beschrieben. Aber er war nicht überzeugt, dass die Hauswurz die Eigenschaft hat, das Hausdach gegen Blitzeinschlag zu schützen. So machte er sich über diesen Volksglauben lustig, indem er schrieb: "Must freilich ein stumpffer und ein doller Blytz sei, den solchiges klein kreutlein solt widerlegen. Es haben auch die Römischen Keiser sich vor Zeiten mit diesem Kraut gekrönet ….....dann das sie vor solchem ungefäll des Gewitters sicher weren. Die Griechischen Poeten fabuliern auch davon, wie das ein abgott des Meers genannt Glaucus / dadurch erlangt habe unsterblichkeit. Die Latinischen geben im viel selzamer Namen / als Sempervivum/Sedum/Barba Jovis . Alles von wegen seiner ewigkeit und hochwürdigkeit/."
Leonhart Fuchs, New Kreüterbuch, 1543
Von Haußwurtz. Cap. X., Abb. XVII.
Haußwurtz nent ma auch Donderbar / darumb das man vermeynet wo das kraut auff einem hauß wachse / da moege das wetter keinen schaden thuon / noch der blitz und donder darin schlagen. In Griechischer spraach würdt es genent Aizoum / in Lateinischer Sedum und Semperuiuum / derhalben das es allwegen sommer und Winter gruen bleibt / und von keinem wetter verseert würt. Diser nam ist in den Apotecken bliben.
Die groß Haußwurtz wechst auff den heüsern / und allten mauren / taechern / und hohen gebirgen.
Franz Xaver von Wulfen (1728-1805)
wurde als Sohn eines Offiziers geboren. 1745 trat er dem Jesuitenorden bei und wurde Seelsorger. Neben seiner Tätigkeit als Priester widmete er sich in seinen
Mußestunden den Naturwissenschaften. Als leidenschaftlicher Botaniker hat er die Ostalpen erforscht und beschrieb weitere noch weitgehend unbekannte Pflanzenarten. Er war mit Scopoli, Hedwig, Schreber und Haller befreundet und war ein eifriger Pflanzensammler. Mit 77 Jahren starb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Ihm zu Ehren wurde durch Hoppe die Wulfen Hauswurz Sempervivum wulfenii benannt.
Carlo Ludovico Allioni (1728-1802)
war ein italienischer Arzt und Botaniker. An der Universität von Turin war er Professor der Botanik. Er leitete auch den Botanischen Garten von Turin. Bei seiner Untersuchung der Pflanzenwelt im Piemont konnte er 237 bisher unbekannte Pflanzenarten auflisten. Die Art Sempervivum Jovibarba allionii wurde nach ihm benannt.
Jean Gaudin (1766-1833)
wurde als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach seinem Studium wurde er auch Pfarrer und Lehrer der Naturgeschichte. Durch seine Verdienste in der Botanik wurde er 1820 als Professor nach Lausanne berufen. Sempervivum gaudinii wurde ihm zu Ehren benannt.
Sempervivum grandiflorum wird synonym zu Sempervivum gaudinii subsp. wulfenii und synonym zu Sempervivum braunii subsp. gaudinii gehandelt und ist identisch mit Sempervivum gaudinii.
Professor Giuseppe Comollo (1780-1849)
war ein italienischer Botaniker und Agrarwissenschaftler in Pavia. Ihm zu Ehren wurde die Naturform (Hybride) Sempervivum comollii benannt.

Heinrich Christian Funck (1771-1839)
Der Apotheker und Botaniker Heinrich Christian Funck (1771-1839) bereiste die deutschen und schweizer Alpen. Seit seiner Jugend widmete er sich der Pflanzenwelt. In seinem Alpinum in Gefrees sammelte er verschiedene Hauswurzarten. Er setzte aber auch in der Natur an geeigneten Stellen seine Pflanzen aus. Als Folge findet man im Fichtelgebirge um Bad Berneck eine Ansalbung von Sempervivum und von Jovibarba globiferum ssp. arenaria Arten. Seine größten Verdienste hat er sich aber wegen seiner Arbeit bezüglich der Laubmoose erworben. Die Hybride Sempervivum funckii wurde vom Botaniker Karl Friedrich Wilhelm Braun (1800-1864) beschrieben. Vermutlich ist Sempervivum funkii ein Bastard aus Sempervivum arachnoideum und Sempervivum montanum. Heinrich Christian Funck und Karl Friedrich Wilhelm Braun waren befreundet und tauschten ihre Sammlungen gegenseitig aus.

Heinrich Wilhelm Schott (1794-1865)
Hofgärtner in Wien, beschrieb als erster die Naturform Sempervivum heuffelii, die er dann nach den ungarischen Botaniker Janos Heuffel (1800-1857) benannte. Johann Heuffel war auch als Kenner von Heilpflanzen und als Homöopath bekannt. Er widmete sich der botanischen Erforschung der Karpaten und machte Exkursionen im Banat, sowie im Balkangebirge. Sempervivum heuffelii ist auf Kalkböden in den Bergen der Balkanhalbinsel und im Osten der Karpaten verbreitet.
Die Serpentin Hauswurz wurde zu Ehren von Joseph Claudius Pittoni Ritter von Dannenfeldt (1797-1878) mit dem Namen Sempervivum pittonii getauft. Joseph Claudius Pittoni war Gutsbesitzer in Graz. Er war Mitglied der botanischen Gesellschaften zu Regensburg und Edinburg. Sein Herbar war eines der größten europäischen Privatsammlungen und wurde im Jahre 1869 für das kaiserliche botanische Museum aufgekauft.
Sempervivum pittonii ist mit Sempervivum ruthenicum ssp. zeleborii var. leucanthum verwandt (Rila Gebirge).
Die Pflanzen sind streng geschützt und benötigen einen sauren Boden. Sempervivum pittonii ist eine endemische Art, die man nur bei Kraubarth an der Mur in Österreich findet.
Dr. Franz Josef Lagger (1799-1870)
war ein schweizer Arzt und Botaniker. Ihm zu Ehren wurde eine Naturform Sempervivum arachnoideum var. laggeri benannt.
Als Botaniker sammelte er in der Umgebung von Dijon, später im Oberwallis und im Kanton Freiburg. Sein Hebarium, mit 185 Schachteln, befindet sich im Museum Freiburg (Fribourg, Schweiz).
Die Anfangsjahre des vorletzten Jahrhunderts bringen eine grundlegende Wende im Studium der Botanik. Man wird jetzt auf die Beziehung der Pflanzen zur Umwelt aufmerksam und studiert nach welcher Art und Weise die Pflanzengesellschaften sich zusammenfinden.
Dr. August Neilreich (1803-1871)
war ein österreichischer Richter und Botaniker. Beim Sammeln, Bestimmen und Ordnen der Pflanzen ging er methodisch vor und konnte eine Reihe von Pflanzenbildern in Wasserfarben zeichnen. Durch den Bau der Eisenbahn konnte er von Wien ohne großen Aufwand trotz seiner Tuberkulose öfters in die Alpen, nach Tirol, Böhmen und die Schweiz reisen. Neilreich starb unvermählt. Der Botaniker Schott widmete ihm die Sempervivum neilreichii ( Sempevivum arenarium ssp. neilreichii).
Alexander Carl Heinrich Braun (1805-1877)
studierte Medizin und Botanik. Er erhielt einen Ruf als Professor der Botanik an die Universität Freiburg und wurde dort Direktor des Botanischen Gartens. Im zu Ehren wurde die Sempervivum montanum ssp. braunii benannt.
Johann Christoph Döll (1808-1885)
war ein deutscher Botaniker und Lehrer am Lyzeum in Mannheim. In seinem Buch „Rheinische Flora“ beschreibt er die wild wachsenden Pflanzen der Oberrheinischen Tiefebene. Die Naturform Sempervivum arachnoidem ssp. doellianum wurde ihm zu Ehren benannt.
Georg Friedrich Schnittspahn (1810-1865)
wurde als jüngstes Kinde des Hofgärtners Johann August Schnittspahn und dessen Ehefrau Anne Catharine Schneeberger geboren.
Er besuchte zuletzt die lutherische Oberschule in Darmstadt. Als Jugendlicher nahm er an botanischen Vorlesungen des Baurates Johannes Heß (1786‒1837) teil. Johannes Heß hat im Jahre 1814 den ersten Darmstädter Botanischen Garten im Schloßgraben begründete. Schon sein Großvater Bernhard Schnittspahn (1726-1787) wie auch sein Vater waren Hofgärtner in Darmstadt. 1841 erhält Georg Friedrich Schnittspahn die Oberleitung des Botanischen Gartens und im Februar 1855 wurde er zum Direktor des Botanischen Gartens ernannt.
In dieser Zeit legte Georg Friedrich Schnittspahn eine umfangreiche Sammlung von Sempervivum-Arten im Botanischen Garten an. Anfang des Jahres 1865 erkrankte Schnittspahn an einem Leberleiden. Trotz mehrwöchiger Kur in Nizza und in Karlsbad stirbt er im Dezember 1865. Schnittspahns Herbar befand sich im Botanischen Institut und wurde bei der Bombardierung Darmstadts 1944 vollständig vernichtet.
Schnittspahn hat unter anderem folgende Pflanzen beschrieben:
Sempervivum mettenianum Schnittsp.
Sempervivum albidum
Sempervivum ruthenicum
Sempervivum fimbriatum
Sempervivum stenopetalum
Sempervivum tomentosum
Sempervivum delasoieii
Sempervivum schottii
Sempervivum widderi
Sempervivum spectabile
Sempervivum fuscum
Sempervivum lehmannii
Sempervivum hausmannii
Sempervivum pilosella
Sempervivum penicellatum
Sempervivum bryoides
Sempervivum cornutum
Sempervivum parviflorum.
Sempervivum densum
Sempervivum longifolium
Sempervivum leucopogon
Nach Schnittspahn benannte Pflanzen: Sempervivum schnittspahnii
Der schweizer Edmond Boissier (1810-1885) begann seine Studien über die andalusische Flora im Jahre 1836. Er war finanziell unabhängig und von kräftiger Statur und ein begeisterter Bergsteiger. Er besuchte Spanien in weiteren Jahren.
Ihm zu Ehren erhielt die Hauswurz Sempervivum boissieri ihren Namen.
Nach dem Schweizer Dr. Charles Fauconet (1811-1875) wurde eine Kreuzung aus Spinnweb und Berg-Hauswurz benannt und erhielt den Namen Sempervivum fauconettii.

Amalie von Oldenburg (1818-1875)
wurde durch Heirat Königin von Griechenland und leitete die Planung des Schlossgartens in Athen. Sie durchquerte gerne die griechische Bergwelt. Sempervivum marmoreum ssp. reginae-amalie wurde ihr zu Ehren benannt.
Gaspard de la Soie (1818-1877)
war ständiges Mitglied der Mönchstreffen (Chorherren) auf dem Großen St. Bernhard. Er war zuerst Kaplan an der Knabenschule in Sembrancher (Kanton Wallis) und anschließend arbeitete er bis zu seinem Ableben als Seelsorger und Lehrer in Bovernier. Ab 1868 war er Präsident der Walliser Botanischen Gesellschaft. 1870 veröffentlichte er eine Abhandlung über die Mistel. Ihn zu Ehren wurde
Sempervivum delasoieii benannt (Sempervivum barbulatum var. delasoieii).
Simon Gilbert Martial Lamotte (1820-1883)
studierte in Paris Pharmazie. Im Jahr 1860 wurde er Professor an der Hochschule für Medizin und Pharmazie von Clermont-Ferrand. Er zeigte großes Interesse an Pilzen und erstellte 858 Aquarelle, die jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht veröffentlicht wurden. Sempervivum lamottei (syn. Sempervivum tectorum var. lamottei) wurde ihn zu Ehren benannt.
Wilhelm Hillebrandt (1821-1886)
war praktischer Arzt in Paderborn. Auf der Suche eines zuträglichen Klimas für sein Lungenleiden verbrachte er viele Jahre im Ausland. Seine Stationen waren Australien, Philippinen, Hawaii, Madeira und Teneriffa. Durch zusätzliche Reisen nach China und Ostindien führte er Nutz- und Zierpflanzen nach Hawaii ein. Sein Herbar vermachte er dem Botanischen Museum Berlin. Die Hauswurz Sempervivum globiferum ssp. hirtum (hillebrandtii) von Gulsen wurde ihm zu Ehren benannt.
Auguste Nicolas Pomel (1821-1898)
war ein französischer Geologe und arbeitete als Minen-Ingenieur in Algerien.
Er sammelte nordafrikanische Fossilien und wurde Professor für Geologie. Die im Juragebirge natürlich vorkommende Hybride Sempervivum pomelii, eine Kreuzung aus Sempervivum tectorum var. arvernense und Sempervivum arachnoideum var. tomentosum wurde ihm zu Ehren benannt.
Georg Heinrich Mettenius (1823-1866)
stammte aus einer reichen Kaufmannsfamilie. Er studierte in Heidelberg Medizin und Botanik. Er praktizierte als Arzt in seiner Heimatstadt in Frankfurt und wurde 1863 Direktor des Botanischen Gartens in Leipzig. Ihm zu Ehren erhielt Sempevivum mettenianum ssp. lamottei ( Sempervivum Mettenianum,
Sempervivum tectorum ssp. lamottei) seinen Namen.
John Gilbert Baker (1834-1920)
war ein britischer Botaniker. Sein Vater war ein Kolonialwarenhändler. Baker begann bereits mit 12 Jahren Pflanzen zu sammeln und war in Bootham an der Schule für das Herbarium verantwortlich.
Von 1866 bis 1890 arbeitete er am Herbarium der Royal Botanik Gardens in Kew (London). Von der Royal Horticultural Society wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt 1897 die Victoria Medal of Honour. Von der Universität Leeds wurde ihm der Ehrendoktor für Naturwissenschaft übertragen. Er beschrieb 1884 die Naturhybride Sempervivum comollii (syn. Sempervivum calcaratum), eine Kreuzung aus S. tectorum x S. wulfenii und erwähnte als erster Sempervivum
californicum. Leider gibt es in Nordamerika keine Naturformen. Aus Sempervivum california Baker wurde später Sempervivum calcareum Jordan.
Pierre Bernard Lazare Verlot (1836-1897)
lernte, wie auch sein Vater, Gärtner in Orleans und war fast 30 Jahre im Botanischen Garten von Paris tätig, u. a. als Weinbauer und Schulleiter. Sein älterer Bruder Jean Babtiste Verlot (18161891) war Leiter des Botanischen Gartens von Grenoble. Pierre Bernard Verlot´s Publikationen über die Alpenflora (1893) waren sehr geschätzt. Sempervivum tectorum ssp. verlotii wurde ihm zu Ehren benannt.
John Traherne Moggridge (1842-1874)
lebte in Swansea England und war der Herausgeber von dem reich bebilderten Buch „Contribution to the Flora of Mentone and to a Winter Flora of the Riviera“.
Sempervivum arachnoideum ssp. tomentosum (moggridgei) wurde ihm zu Ehren benannt.
Henry Correvon (1854-1939)
machte eine Gärtnerlehre im familieneigenen Betrieb in Yverdon am See Neuchatel (Schweiz). Seine Leidenschaft war die alpine Flora. Er erhielt in jungen Jahren von Louis van Houtte (1810-1876), der zu seiner Zeit ein bekannter Handelsgärtner in Gent (Belgien) war, einen Satz Sempervivum Naturformen. Dies war der Grundstock für seine eigene Sammlung. Correvon veröffentlichte dann sein Werk „Flore Alpine“, das 1911 mit dem Titel „The Alpine Garden“ ins Englische übersetzt wurde. 1924 veröffentlichte er dann sein 134 Seiten umfassendes Werk „Les Joubarbes“ in französischer Sprache. Es war eine Erweiterung von einem früheren Schriftstück, erstellt 1879 von John Gilbert Baker, gefunden in der Wochenzeitschrift „The Gardeners Chronicle“ unter der Überschrift „Synopsis of the Hardy Sempervivums„.
Carlton Elmer Purdy (1861 – 1945)
war ein amerikanischer
Pflanzensammler und Züchter. Er war Mitglied der California Horticultural Society, wie auch der Royal Horticultural Society von England. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „Purdy“.
Brodiaea purdyi, Fritillaria purdyi und Iris purdyi wurden ihm zu Ehren benannt. Es gibt sogar ein Carl Purty Museum in Ukiah Redwood Empire Faigrounds.
Carl Purdy wurde in Dansville, Michigan am 16. März 1861 geboren. Im Jahr 1870 zogen seine Eltern mit Planwagen in den Westen. Nach einen Zwischenstopp in Turckee Meadows, Nevada erreichten Purdy´s Eltern Mendocino County, Kalifornien und kauften sich dort ein grösseres Grundstück nördlich von Burke Hill, das als Schaffarm und Hopfenplantage von den Burke Brüdern bewirtschaftet wurde. Purdy lernte dort zusammen mit seiner tuberkulosekranken Schwester die heimische Flora kennen. Von Nachbars Ranch der Familie Alexander McNab, die in Besitz einer prächtigen Bibliothek waren, konnte er viele botanische Bücher ausleihen. Purdy begann eine Lehrerausbildung. Er arbeitete als Lehrer jedoch nur kurz. Er gründete danach im Jahr 1879 in Ukiah mit 17 Jahren eine eigene Gärtnerei. Sein Interesse galt besonders den heimischen Lilien- und Irisgewächsen der westlichen USA. Er sammelte ab 1875 im weiten Umfeld von Kalifornien die Knollen und Samen um sie zu vermehren. Er verschickte seine Blumenzwiebeln als Grosshändler in die ganze USA und Europa. Der Händler Woolson & Co. in Passaic New Jersey erhielt für $1,50 jeweils 100 Blumenzwiebeln. Woolson´s Firmenkatalog listete bereits 1883 ein Dutzend Naturformen der Mormonentulpen aus Purdy´s Sammlung auf. Seinen ersten umfangreichen Pflanzenkatalog erstellte Purdy im Jahr 1896. In Spitzenzeiten erntete er bis zu 500.000 Blumenzwiebeln im Jahr.
1888 heiratete er Vesta Moore, die Tochter eines Arztes aus West Virginia.
Als Botaniker war er sowohl an der West- wie auch an der Ostküste bekannt. Er schrieb mehrere Artikel für das wöchentliche Journal „Garden and Forest“, wie auch für die englische illustierte Zeitschrift „The Garden“. Mit dem Botaniker und Pflanzenzüchter Luther Burbank (1849-1926), der in Santa Rosa ca. 50 Meilen entfernt wohnte, verband ihn eine enge Freundschaft. Zusammen auf einer Erkundungsreise entdeckten sie am Rande der Mojave Wüste ein riesiges Feld von 8 km Länge mit Kalifonischen Mohn.
Sein Stiefsohn Carl Mahurin schrieb 1941 in „The Journal of the California Horticultural Society“ eine Biographie über Ihn. In seinen letzten Jahren schrieb Purdy seine Autobiographie mit dem Titel „My Life and My Times“. Wobei man dort folgenden Satz lesen kann: “ … for many years the romantic side of my life, especially the gypsy life of the collector had attracted ….“.
Auf Seite 187 steht geschrieben:
„The Sempervivum, commonly called hen and chickens ……
I began to build a collection of them …… where no other dealer had more than a few, I had dozens ……. getting them from every possible ……“.
Er hatte zu seiner Zeit vermutlich die größte Sempervivum Sammlung in den USA. Auch Henry Correvon aus der Schweiz machte einen Besuch auf sein „The Terraces“ Grundstück, später bekannt als Gärtnerei „Purdy Garden“, an den östlichen Hügeln vom Ukiah Tal gelegen. Edith Van Allen Murphey (1879-1968) machte folgende Bemerkung: „When Henri Correvon came from Switzerland to see the Purdy Alpines and discuss a new book, they were handicapped by neither being able to speak the other’s language“. Correvon schickte ihm eine komplette Sammlung Semperviven und weitere alpine Pflanzen. Bereits in der Ausgabe von 1928 in „The Garden an Home Builder“ Magazin findet man einen Hinweis auf seine Sammlung. In der 1930 Ausgabe von „American Horticulture Magazine and Home Acres“ findet man einen weiteren Hinweis. 1931 bietet er in „American Home“ 25 Sempervivumarten für $7,50 über den Postversand an. Für die damalige Zeit ein stattlicher Preis. Sammlungen von Sandy Mac Pherson, Mina Colvin, Helen E. Payne, Edward Skrocki, Betty Z. Bronow, Polly Bishop, Garry Gossett, Patricia Drown, Kevin C. Vaughn, Dr. C. W. Nixon wurden erst später aufgebaut.
Züchtungen mit seinen Namen wurden jedoch erst nach seinen Tod bekannt. Vermutlich wurden nach seinen Tod die besonders schönen Sämlinge mit Nummern versehen und ohne sein Einverständnis verbreitet.
Einen Nachweis seiner Züchtungsarbeit findet man jedoch 1948 in „Lexington Botanical Garden Leaflets“.
Hier werden folgende Züchtungen aus seiner Sammlung beschrieben:
- Purdy´s 60-1 als small, red
- Purdy´s 80-1 als red at tip
- Purdy´s 90-1 als deep rose, tintgray green
- Purdy´s 90-2 als large and very red
Im „Journal of the California Horticultural Society“ Ausgabe 1956 Seite 72 wird eine Sempervivum „Purdy´s Rosy Purple Beauty“ beschrieben. Diese Sorte wurde auch von seinen Sohn Elmer Purdy an die Gärtnerei von Victor Reiter Jr. geschickt.
Martin Miklanek führte in seiner Liste eine Sempervivum „Rosy Purple Beauty“ mit unbekannter Jahreszahl und unbekannten Namen auf. Ob hier ein Zusammenhang besteht?
In der Sempervivum Society Newsletter Ausgabe 1983 Volume 9 wird folgendes berichtet: “Ed Skrocki send us information on a Sempervivum in his collection called „Big Red“ …. this was produced by Carl Purdy in Oregon in 1940´s“.
Purdy ist am 08. August 1945 mit 84 Jahren verstorben. Seine Kinder Elmer C. Purdy, Mary Purdy Robinson und Mabel
Purdy Mahurin führten die bekannte Gärtnerei mit den Namen „Carl Purdy Gardens“ fort.
Es gibt auch einen ausführlichen Zeitungsbericht über Purdy von The San Francisco Sunday Call in der Ausgabe vom 7. April 1912 mit dem Titel „Purdy The Lili Man“.
Die meisten Sempervivum-Arten stammen aus den Gebirgsregionen Europas. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von den Pyrenäen, über die Alpen, bis in den Kaukasus.
Dort wachsen sie bevorzugt auf steinigen Böden, Felsspalten oder Geröllfeldern, wo andere Pflanzen kaum überleben können. Insgesamt sind über 50 natürliche Arten bekannt, die sich untereinander leicht kreuzen lassen und so eine enorme Vielfalt an Formen und Farben hervorbringen.
Einige bekannte Arten sind:
- Sempervivum tectorum – die klassische Dachwurz
- Sempervivum arachnoideum – Spinnweb-Hauswurz
- Sempervivum calcareum – Kalk-Hauswurz
- Sempervivum montanum – Berg-Hauswurz
- Sempervivum wulfenii – Wulfen-Hauswurz
Besonders spannend: Sempervivum atlanticum stammt sogar aus dem Atlasgebirge in Nordafrika.
Bedeutung der Hauswurz in der Geschichte
Die Hauswurz spielte schon in der Antike und im Mittelalter eine besondere Rolle
Schutz vor Blitz und Unheil
Früher glaubte man, dass Hauswurz Blitzeinschläge abwehren kann. Deshalb wurde sie häufig auf Dächer gepflanzt. Namen wie Donnerkraut, Donnerbart und Jupiterbart
zeigen die Verbindung zum Donnergott Donar oder Jupiter.
Karl der Große und die Dachwurz
Im Jahr 795 ordnete Karl der Große an, dass die Dachwurz in den königlichen Gärten angebaut werden soll. In der berühmten Landgüterverordnung Capitulare de villis wurde sogar festgelegt, dass Hauswurz auf Dächern wachsen soll.
So verbreitete sich die Pflanze in ganz Europa
Wuchseigenschaften von Sempervivum
Sempervivum gehört zu den Dickblattgewächsen (Sukkulenten). Die Pflanzen speichern Wasser in ihren fleischigen Blättern und können dadurch lange Trockenperioden überstehen.
Typische Eigenschaften:
- immergrün und winterhart
- bildet Rosetten von 1 bis 20 cm Durchmesser
- bildet viele Tochterrosetten (Kindel)
- wächst zu dichten Polstern oder Teppichen
- Die Mutterrosette ist monokarp:
- Sie blüht nur einmal und stirbt danach ab, während die Tochterrosetten weiterwachsen.
Die Blüten erscheinen je nach Art zwischen April und August.
Pflege von Sempervivum – So gedeihen Hauswurzen optimal Hauswurzen gehören zu den pflegeleichtesten Pflanzen überhaupt
Standort:
Ideal ist ein sonniger Standort und trockener Platz und gut durchlässiger Boden.
Staunässe sollte unbedingt vermieden werden.
Sempervivum eignet sich hervorragend für:
- Steingärten
- Trockenmauern
- Dachbegrünungen
- Pflanzschalen und Töpfe
- Balkon und Terrasse
Selbst längere Trockenperioden überstehen die Pflanzen problemlos.
Substrat
Eine ideale Mischung besteht aus:
- 2 Teile Pflanzerde
- 2 Teile Granitsplitt
- 1 Teil Sand
- etwas Perlite zur Auflockerung
Diese Mischung sorgt für gute Drainage und ausreichende Belüftung der Wurzeln.
Sempervivum bevorzugt neutrale bis leicht alkalische Böden.
Farbvielfalt der Hauswurz
Eine Besonderheit von Sempervivum ist die enorme Farbvielfalt.
Je nach Sorte und Jahreszeit können die Rosetten grün ,rot, braun, orange, violett oder fast schwarz erscheinen.
Die intensivsten Farben treten meist im Frühling und Frühsommer auf. Im Sommer werden viele Sorten wieder etwas grüner.
Heute existieren über 7000 Kultivare.
Krankheiten und Schädlinge
Hauswurzen sind sehr robust, aber gelegentlich können auftreten:
Blattläuse – Meist harmlos und leicht mit biologischen Mitteln zu bekämpfen.
Schnecken – Sie fressen gelegentlich junge Rosetten.
Dickmaulrüssler – Die Larven können die Rosetten zerstören.
Rostpilz (Endophyllum sempervivi) – Dieser Pilz kann Blätter deformieren und sollte frühzeitig entfernt werden.
Hauswurz als Heilpflanze
Schon seit Jahrhunderten wird Hauswurz in der Volksmedizin genutzt.
Der Pflanzensaft enthält:
- Gerbstoffe
- Schleimstoffe
- Apfelsäure
- Ameisensäure
Traditionelle Anwendungen:
- bei Verbrennungen und Hautentzündungen
- gegen Warzen und Hühneraugen
- bei Insektenstichen
- zur Hautpflege
Der Saft wirkt kühlend, adstringierend und entzündungshemmend.
Fun Facts über Sempervivum
🌱 Die Pflanze wurde schon im 4. Jahrhundert v. Chr. beschrieben.
🌱 Viele Bauern pflanzten Hauswurz auf Dächer, um Strohdächer zusammenzuhalten.
🌱 Bei den Kelten galt sie als Glücksbringer zur Hochzeit.
🌱 Manche alten Sagen behaupteten sogar, sie könne Hexen fernhalten.
FAQ – Häufige Fragen zur Hauswurz
Ist Hauswurz winterhart?
Ja, die meisten Sempervivum-Arten sind vollständig winterhart und vertragen sogar starke Fröste.
Wie oft muss man Hauswurz gießen?
Nur sehr selten. In der Regel reicht natürlicher Regen völlig aus.
Warum stirbt die Rosette nach der Blüte?
Sempervivum ist monokarp. Die Mutterrosette stirbt nach der Blüte ab, aber die Tochterrosetten wachsen weiter.
Kann man Hauswurz im Topf halten?
Ja, sogar sehr gut. Wichtig ist ein sehr durchlässiges Substrat und ein sonniger Standort.
Wie vermehrt man Sempervivum?
Ganz einfach über Kindel (Tochterrosetten), die sich von der Mutterpflanze lösen lassen.
